Während die Mehrzahl älterer Menschen wenig bis keine Erfahrungen mit dem Internet hat, sind jüngere Personen zwischen 15 und 30 Jahren rund um den Erdball nicht selten mehrere Stunden pro Tag „online“. Die „neue Generation Internet“ surft, chattet oder klickt bis die Tasten und Köpfe rauchen – doch wie sich die Internetnutzung auf unsere Psyche auswirkt, interessiert jetzt immer häufiger die Experten. Ähnlich wie bei der Einführung des Fernsehens scheiden sich die Geister: die einen sehen große Chancen bezogen auf Informationsbeschaffung und Multi-Tasking-Fähigkeit, die anderen sprechen bereits von der totalen Verblödung.
Privat war gestern
Es ist schon paradox: Früher war es dem Individuum eher unangenehm, zu viel über sich preiszugeben – heute stellt man in verschiedenen Portalen wie tmz.com, ilikemystyle.net oder zimmerschau.de gnadenlos alles zur Schau. Aber nicht nur der private User, auch Stars und Promis müssen gewahr sein, dass die nächste Brustoperation oder jeder kleinste Outfit-Fehltritt öffentlich zu bestaunen ist. Die Regenbogenpresse berichtet zwar seit jeher gerne über die Reichen und Schönen; neu ist aber die Unerbittlichkeit, mit der die Privatsphäre geknackt wird. Experten sprechen von der Sucht nach Aufmerksamkeit bis hin zum totalen Seelenstrip. Einerseits boomen Kontaktbörsen wie facebook, myspace oder wanadu wie nie zuvor – andererseits rezipieren Millionen gesagten oder getanen Unsinn, ohne diesen kritisch zu hinterfragen.
Macht das Netz dumm?
Der Teil der optimistischen Experten hält die Generation Internet sogar für flotter in der Birne als ihre Vorgänger. Webseitenbau, Informationssuche oder Online-Spiele sind ihrer Meinung nach Verstandestraining und fördern neben der Fähigkeit zum verbalen Ausdruck auch das räumliche Vorstellungsvermögen.
Ihre pessimistischen Kollegen kritisieren hingegen die Inkompetenz der meisten User und machen das Internet für Konzentrationsschwächen sowie Ideendiebstahl verantwortlich.
Fest steht, dass es noch nie leichter war, sich nützliche Informationen schnell zu beschaffen. Doch gerade im Bezug auf Multi-Tasking stellt sich die Frage, ob wir wirklich intelligenter werden, wenn wir gleichzeitig recherchieren, schreiben, Musik hören und zwischendurch noch telefonieren? Mehrere Studien an namhaften Universitäten und Colleges geben keinen Grund zu großem Optimismus: Mittels Tests und Magnetresonanztomographie konnte nämlich nachgewiesen werden, dass das Durchschnittsgehirn wie ein defekter Automotor reagiert und die Denkleistung um 40 Prozent herunterfährt. Außerdem wurde beobachtet, dass sich unser IQ durch ständige Ablenkung vom eigentlichen Thema um zehn Punkte verringert.
Wer sich also nicht im Netz „verliert“ und kritisch mit der Informationsflut auseinandersetzt, kann vom World Wide Web nur profitieren – Menschen, die allerdings rund um die Uhr vor ihrem PC zu finden sind und sämtliche soziale Kontakte vernachlässigen, laufen Gefahr die virtuelle Welt zunehmend als real wahrzunehmen und dadurch total zu vereinsamen.